Freiwillige Feuerwehr Zeuthen

- Geschichte -


1924: Der Steigerturm am alten Gebäude
In einer vom Gemeindevorsteher Manske einberufenen Versammlung, gründeten am 02. November 1902 16 Zeuthener Bürger im repräsentativen Berliner Hotel "lmperial" eine Freiwillige Feuerwehr, den Feuerwehrverein. Vorerst fanden sich jedoch nur 3 aktive Mitglieder, ihnen gegenüber gab es 18 passive Mitglieder, die sich bereit fanden, die Freiwillige Feuerwehr mit zu finanzieren.
Es ist verständlich, wenn man in Zeuthen diese Truppe von 3 Kameraden unter ihrem Oberführer Hensel nicht das rechte Vertrauen entgegenbrachte, denn gerade damals zur Zeit der Handdruckspritze waren viele Menschen erforderlich, um den Brandschutz sicherzustellen. Es gab in den ersten Jahren nach der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr neben dieser noch die "Zwangsfeuerwehr", die getrennt arbeiteten und sich heftig bekriegten. Eine planmäßige Zusammenarbeit im Ernstfall gab es nicht. Doch immer mehr Zeuthener erkannten die Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr, so konnte Ende des Jahres 1903 die "Zwangsfeuerwehr" aufgelöst werden.
Eine Handdruckspritze, ein Wasserwagen und ein Mannschaftswagen bildeten kurze Zeit später das Inventar. Von gewissem Lokalpatriotismus getrieben, sollte jedoch die Feuerwehr nur für Zeuthen da sein. Als 1908 zum Beispiel zur Hilfe nach Hoherlehme ausgerückt werden sollte, wurde es wegen zu großer Entfernung vom Gemeindevorsteher untersagt.
Dass das nicht so blieb, beweist die Tatsache, dass die Wehr vom Teltower Kreisfeuerwehrverein 1911 zweimal 30,- DM Spritzenprämie für schnelle Hilfe nach außerhalb überwiesen wurden. Die Alarmierung erfolgte in den ersten Jahren mit Feuerhörnern, die Sirenen heulten erst 1928 in Zeuthen. Am 03. Juli 1928 hatte der Verein der Handel- und Gewerbetreibenden der Wehr 3 Feueralarmapparate gespendet.
Die Bespannung der Handdruckspritze und der anderen Wagen wurde von den ortsansässigen Fuhrunternehmen und Bauern gestellt. Der erste Kutscher am Feuerwehrdepot bekam 3 Mark, der zweite 2 Mark, bei ihrem geringen Ein-kommen ein wirksamer Anreiz zum schnellen Erscheinen. Die Finanzierung der Freiwilligen Feuerwehr wurde damals von den sogenannten passiven Mitgliedern getragen, es waren wohlhabende Grundbesitzer, die so ihr Eigentum geschützt wissen wollten. Nach 10 Jahren Bestehens der Zeuthener Wehr gab es bereits 25 aktive und 70 passive Mitglieder. Einen erheblichen Rückschlag in der Entwicklung brachte der Krieg 1914 bis 1918. 1924 wurde wieder der regelmäßige Dienstbetrieb aufgenommen.
1912: Vor dem alten Feuerwehrgebäude in der Kaiser-Wilhelm-Straße mit Brandmeister Steffen
Am 12. Oktober 1925 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Zeuthen ihr erstes Kraftfahrzeug. Es war nicht nur für Zeuthen, sondern auch für die umliegenden Orte eine kleine Sensation. Trotzdem konnte natürlich nicht von einer Außerbetriebnahme der Handdruckspritze gesprochen werden, denn das neue Fahrzeug eignete sich nur zum Mannschaftstransport und hatte keine Pumpe. Interessanter wurde der Dienst damals noch durch die Kinowachen, als die ersten Filmvorführungen in Zeuthen stattfanden. Der Einsatz von Zelluloidfilmen erforderte immer die Anwesenheit der Feuerwehr.
Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr zu Zeuthen erfolgte am Sonnabend, den 05. November 1927, nachmittags 4 Uhr die Grundsteinlegung für das zu errichtende Feuerwehrgebäude auf dem Grundstück Alte Poststraße 9 (so wörtlich aus dem Programm).
Damit entstand in Zeuthen das Feuerwehrdienstgebäude mit moderner Alarmanlage, Steigerturm, Schlauchwaschanlage, Versammlungs- und Unterrichtsraum, das auch heute noch unseren Ansprüchen genügen muss, aber weder für die Fahrzeuge noch für die Mannschaft und die Jugendfeuerwehr ausreicht.
1928: Übergabe und Einweihung des Löschgruppenfahrzeuges LF 10 vor dem Feuerwehrgebäude Alte Poststraße 8
Im gleichen Jahr wurde das erste Löschfahrzeug mit Pumpe, das LF 10, eingeweiht. Wieder war es der Krieg, der die schnelle Entwicklung unterbrach. Bomben fielen auf Zeuthen, es gab Tote, Verletzte und brennende Wohnhäuser. Die Anforderungen an die Feuerwehr stiegen, doch immer kleiner wurde die Anzahl der Kameraden. Sie wurden zur faschistischen Wehrmacht eingezogen. Nach der Zerschlagung des Faschismus wurde bereits am 05. Mai 1945 in einer Verfügung des kommunistischen Bürgermeisters und des Komitees "Freies Deutschland" die Neuorganisation der Freiwilligen Feuerwehr in Zeuthen gefordert. Nach vielen Schwierigkeiten begann mit einem Löschfahrzeug die Ausbildung. In den ersten Jahren fehlten Schläuche und Uniformen. Durch die Instandsetzung alter Ausrüstungen und planmäßige Ausbildung konnte jedoch schon nach kurzer Zeit die Brandbekämpfung gewährleistet werden.
Nur knapp entging das Zeuthener Feuerlöschfahrzeug, das LF 10, dem Ende. Gleich nach Kriegsende hatte die Kommandantur der Roten Armee angeordnet, derartige Fahrzeuge zu konfiszieren. Einige Mutige, unter ihnen der damalige Feuerwehrhauptmann Paul Zimmermann und Schlossermeister Paul Schäfer, entfernten listig Motor und Räder. Die Aktion war erfolgreich, der Löschwagen blieb in Zeuthen und stand als einzige Autospritze im Landkreis im Brandfall zur Verfügung.
Ein zweites Mal wäre es fast zu spät gewesen. Von 1928 bis zum Jahre 1958 war der Spritzenwagen regelmäßig bei Wind und Wetter im Einsatz. Danach wäre für ihn beinahe der Schrottplatz zur Endstation geworden. Aber von dem liebgewordenen Gefährt wollten sich vor allem die älteren Kameraden nicht trennen. Proforma wurde ein Schrottschein von 50,- Mark bei der Gemeindekasse abgerechnet, das LF 10 weiterhin gehegt und gepflegt.
Löschgruppenfahrzeug LF 10

Mit dem Zusammenschluss der Gemeinden Miersdorf und Zeuthen wurden auch die beiden Freiwilligen Feuerwehren unter einheitlicher Leitung vereinigt. Die steigenden Anforderungen an die Freiwilligen Feuerwehren erforderten auch eine wesentliche Verbesserung der technischen Ausrüstungen. So wurden, beginnend 1958, alle alten Löschfahrzeuge durch neue ersetzt, in beiden Kommandostellen moderne Atemschutzgeräte stationiert, in der Kommandostelle Miersdorf eine neue Feuerwache gebaut, und erstmalig in der Zeuthener Feuerwehrgeschichte wurde in Zeuthen ein Tanklöschfahrzeug stationiert.
1952 wurde wieder eine Frauengruppe ins Leben gerufen, die als Einsatzkräfte, im Feuerwehrsport und vorbeugenden Brandschutz das Feuerwehrleben mitprägten. 27 Jahre (1952 - 1978) führte der Kamerad Brandinspektor Fritz Schäfer die Freiwillige Feuerwehr Zeuthen. Ihm gebührt der Verdienst, sie oft unter komplizierten Bedingungen, stets einsatzbereit gehalten zu haben. Von 1978 wurde die Wehr dann vom Kameraden Oberbrandinspektor Klaus Schultze geführt. Als dieser 1992 die Wehrführung abgab wurde in den "Wendewirren" durch die Gemeinde Zeuthen kein neuer Wehrführer für die Gesamtwehr berufen. Die bis dahin existierenden Kommandostellen arbeiteten unter der Leitung der Kameraden Klaus Speiler (Miersdorf) und Peter Rublack (Zeuthen) wie selbständige Wehren. 1996 wurde die Feuerwehr dann wieder unter eine einheitliche Leitung gestellt. Der Kamerad Peter Rublack wurde zum Gemeindebrandmeister ernannt. Die Feuerwehr Zeuthen gliedert sich heute in die Löschzüge Miersdorf und Zeuthen, die von den Kameraden 1. Hauptbrandmeister Klaus Speiler (Miersdorf) und 1. Hauptbrandmeister Reiner Schachtschneider geführt werden.

Mit der Wende 1990 änderten sich auch die Aufgaben der Feuerwehr nachhaltig. Wenn vorher die Brandbekämpfung bei den Einsätzen an erster Stelle stand, so ist es heute die technische Hilfeleistung. Bei 62 % Prozent aller Einsätze handelt es sich um Verkehrsunfälle, die Beseitigung von Ölresten auf dem Land oder auf dem Wasser bzw. um Havarien im Bereich der Gas- und Wasserversorgung oder ähnliche Hilfeleistungen. Die Zahl der jährlichen Einsätze für die Gesamtwehr ist von ca. 65 vor 1990 heute auf 120 bis 150 gestiegen. Mit diesen neuen Anforderungen mußte auch die Ausrüstung der Feuerwehr Schritt halten. So wurden 1990/91 beim Löschzug Miersdorf ein Tanklöschfahrzeug und ein neues Löschfahrzeug (LF 16) stationiert. Diese Fahrzeuge konnten dann 1993 in einem neu erbauten, modernen Gerätehaus untergebracht werden. Im Jahr 2000 wurde das Tanklöschfahrzeug durch ein neues TLF 24/50 ersetzt. Sowie das veraltete Fahrzeug vom Typ IFA W50 LF 16, welches in den letzen Jahren als Gerätewagen diente, konnte im Jahr 2004 durch einen modernen Rüstwagen ersetzt werden.

Löschgruppenfahrzeug LF 8/6
1997 wurde, anläßlich des 95. Jubiläums der FF Zeuthen, auch beim Löschzug Zeuthen ein neues Einsatzfahrzeug vom Typ LF 8/6 in Dienst gestellt. Außerdem wurden ein Mannschaftstransportwagen und ein Kommandowagen beim Löschzug Zeuthen stationiert.
Kommandowagen (Kdow)
Alle Feuerwehrkameraden wurden entsprechend den neuen Unfallverhütungsvorschriften mit neuer Einsatzbekleidung ausgerüstet. Auch das althergebrachte Alarmierungssystem mit Hilfe von Sirenen wurde 1992 durch eine moderne Funkalarmierung abgelöst. Aber nicht nur die technische Ausrüstung sondern auch die Ausbildung der Feuerwehrleute mußte Schritt halten. Denn das Einsatzspektrum und das rechtliche Umfeld in dem die Feuerwehr heute tätig wird, hat sich grundlegend verändert. Viele Kameraden mußten wieder die Schulbank drücken und an der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt ihre bisherige Ausbildung ergänzen bzw. neue Abschlüsse ablegen.
Der Schlüssel für den Erfolg einer kontinuierlichen Arbeit der FF Zeuthen war und ist die Arbeit mit der Jugend. Waren es seit 1957 die Arbeitsgemeinschaften ,,Junge Brandschutzhelfer, aus denen der Nachwuchs für die Feuerwehr hervorging, so setzte die Gründung der Jugendfeuerwehr am 21. März 1991 in beiden Löschzügen der FF Zeuthen - mit neuem Inhalt - neue Akzente für die Nachwuchsgewinnung.
Die Freiwillige Feuerwehr Zeuthen hat in all den Jahren schon harte Bewährungsproben bestanden. Zu den schwierigsten Einsätzen gehörten neben den zahlreichen Einsätzen in Zeuthen und Berlin in der Zeit des zweiten Weltkrieges die Löscharbeiten am Neuen Palais in Potsdam, die Einsätze bei der Havarie eines Tankzuges mit einem Kohlezug auf dem Bahnhof Teupitz/Groß Köris, der Brand des VEB Innenbaukunst Eichwalde und des Tanklagers in Kablow oder die Bergungsarbeiten beim Flugzeugabsturz 1972 in Königs Wusterhausen sowie die schweren Einsätze bei den Waldbränden im Raum Teupitz, Halbe und Märkisch Buchholz.
Mehrzweckboot (MZB)
Im Jahre 2003 konnte für den Löschzug Zeuthen ein dringend benötigtes Mehrzweckboot beschafft werden. Die stetig zunehmenden Aufgaben, welche nun auch den weitreichenden Gewässerschutz mit Hilfe der 150 m langen Ölsperre umfasst, konnten von dem damaligen RTB 1 nicht ausreichend sichergestellt werden. Weiterhin wurde zur Erleichterung der Einsatzführung ein Einsatzleitwagen, durch viele Stunden an Eigenleistung, bereitgestellt.
Einsatzleitwagen ELW
Mehrzweckboot (MZB)
Durch den Erweiterungsbau für den Löschzug Zeuthen wurde 2007 ein lang gehegter Traum war. Endlich haben die Fahrzeuge ihren benötigten Platz erhalten und jedes Geschlecht bekam seinen eigenen Sanitärbereich.
Einsatzleitwagen ELW
Einsatzleitwagen ELW
Ein Problem welches durch die im Jahre 2007 aufgestellte Gefahren- und Risikoanalyse aufgezeigt wurde, konnte zu Beginn 2008 gelöst werden. Hierbei handelt es sich um ein dringend benötigtes Hubrettungsfahrzeug für die Feuerwehr Zeuthen. Dieses Fahrzeug steht von nun an dem Löschzug Zeuthen zur Verfügung.
Wenn heute in Zeuthen die Feuerwehr über Funkalarmempfänger alarmiert wird, dann rückt binnen kürzester Zeit eine technisch gut ausgerüstete sowie gut ausgebildete und sehr engagierte Mannschaft aus, die in der Lage ist, schnell Hilfe zu leisten sowie das Leben und die Sachwerte der Mitmenschen vor Bränden oder anderen Schäden zu schützen.

 

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